Finkenwerda. Ein kleines Dorf in dem jeder Jeden kennt. Hier verschwindet die 16 Jahre alte Lisa Theis. Obwohl sie ihrem kleinen Bruder Sam versprochen hatte nach dem Wochenende wieder zurück zu kehren, ist sie Montag morgen nicht am Treffpunkt für ihren Klassenausflug. Die gestresste Mutter Laura, die mit ihren Kindern alleine lebt, erhält schockiert den Anruf von Lisas Lehrerin. Ob Lisa wieder krank sei, fragt diese. Doch auch zuhause ist Lisa nicht anzutreffen, sie geht nicht an ihr Handy. Alsbald mobilisiert Laura ihren Schwager Frank, der Polizist ist und hofft und bangt um das Leben ihrer Tochter. Frank meint, dass Lisa sicherlich nur ausgerissen ist und bald wieder auftaucht. Sam schweigt, denn er hat seiner Schwester versprochen nichts zu sagen. Und sie hatte ihm ja auch versprochen, wieder zu kommen.
Alex Lindner ist Wirt in dem Dorf, ein ehemaliger Polizist. Als er von Lisas Verschwinden erfährt muss er an einen ehemaligen Fall denken, der drei Jahre zurückkehrt. Ist der Täter wieder auf der Pirsch?
Dann ist da noch diese alte Frau Kirchberger, die von allen als Hexe verschrieen wird....
Die Geschichte wird abwechselnd aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Das macht es um so spannender, weil man ja gerne wissen möchte, wie geht es da und da weiter und dann erstmal andere Sichten folgen. Auch ein Ich-Erzähler, der aus der Vergangenheit berichtet, ist dabei. Am Ende laufen alle Stränge zusammen und man erfährt in welchem Bezug das Vergangene zu der Gegenwart steht.
Die Charaktere waren manchmal etwas schwierig. Laura greift ständig nach einer Kippe, was dann auch jedesmal erwähnt wird. Sam ist sehr sehr unbeholfen, fast schon unglaubwürdig. Er hat mich wirklich manches Mal genervt. Frank versucht, dafür dass es um seine Nichte geht, zu sehr den kühlen Kopf eines Polizisten zu bewahren und spricht oft davon, dass sie sicher nur abgehauen sei. Vielleicht will er seine Schwägerin aber auch nur beruhigen.
Insgesamt ein spannendes Buch, man wird von Seite zur Seite getrieben und auch wenn mal nichts außergewöhnliches passiert ist es trotzdem interessant geschrieben. Der Schreibstil hat mir an sich gut gefallen. Nicht zu ausgeschmückt, die Details die erzählt werden sind genau im richtigen Maß. Es fiel mir nicht schwer, mir die beschriebenen Situationen vorzustellen. Der/die Täter/in kristalisiert sich erst gegen Ende heraus. Ich selbst bin nicht vorher drauf gekommen wer hinter allem steckt.
Ich kann das Buch nur jedem empfehlen, der in die menschlichen Abgründe schauen möchte.